Am 26. November wurden sieben Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 18 Jahren aus der sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft „Phönixhof“ in Forchtenstein von SozialarbeiterInnen abgeholt und in andere Betreuungseinrichtungen gebracht. Die Jugendlichen hatten gerade genug Zeit um zu packen und sich von den Freunden und vom Personal zu verabschieden. Vor dem Phönixhof standen Polizisten in Zivil.
Seitens der Kinder- und Jugendhilfe des Landes bzw. der Jugendämter der Bezirkshauptmannschaften wurde weder den Jugendlichen noch uns ein konkreter Grund genannt. Ein Handeln wegen „Gefahr im Verzug“ wurde von der Behörde als Begründung für die tiefgreifende Maßnahme ausgeschlossen.
Unsere große Sorge gilt nun den Jugendlichen, die sich bereits auf einem guten Weg befanden und für die wir jetzt Retraumatisierungen befürchten. Jüngste Berichte aus ihren neuen Betreuungseinrichtungen bestätigen uns leider darin.
Wir sind selbstverständlich bereit, alles zur Aufklärung beizutragen. Wichtig dafür ist aus unserer Sicht, dass von den handelnden Behörden der Grund für diese Maßnahme offengelegt wird. Wir sind überzeugt, dass für alle Beteiligten das Wohl der Kinder an erster Stelle steht und sich daher alles rasch wieder zum Besseren wenden kann.

Forchtenstein, 27. November 2025
Kontakt: Andreas Lopez, 0676/7463649
organisation@phoenixhof-forchtenstein.at

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Sehr Geehrte,

ich erlaube mir, Ihren Bericht zu den Ereignissen in der Wohngemeinschaft Phönixhof durch meine Wahrnehmung als AHS-Lehrerin an einem Gymnasium, das einer der betroffenen Jugendlichen seit dreieinhalb Jahren erfolgreich besucht, zu ergänzen. In einem Anruf wurde mitgeteilt, zwei Bedienstete des Landes Burgenland würden kommen und möchten den Direktor und die Klassenvorständin sprechen. Beide Mitarbeiterinnen konnten sich NICHT ausweisen und NICHT legitimieren, erwarteten aber, dass wir den betroffenen Schüler aus der Klasse holen. Dies hat unser Direktor sofort hinterfragt und in einem Telefonat mit dem Land Burgenland sich bestätigen lassen. Einige der Aussagen des Landes Burgenland sind unrichtig: der Schüler war nicht informiert und NIEMAND hat ihn auf die Veränderung vorbereitet! Zeitnah hat der Herr Direktor auch die Kinder und Jugendanwaltschaft Burgenland informiert, weil wir diese Vorgangsweise als schwere Retraumatisierung erachten.  Ich arbeite seit 13 Jahren auch als Psychotherapeutin, habe während meines Studiums auch sozialpädagogisch in Wohngruppen gearbeitet und bin entsetzt über die Vorgangsweise. Die Damen haben  beschwichtigt, es sei nicht so schlimm, es handle sich nicht um Missbrauch: da hätte ich eine andere Definition von Missbrauch und struktureller Gewalt. Der Schüler ist zurzeit gezwungen, einen Schulweg von eineinhalb Stunden pro Strecke auf sich zu nehmen, weil er  am letzten Stück Sicherheit- weiter in „seine“ Schule zu gehen, festhält.

Anbei erlaube ich mir, Ihnen einen Text zu schicken, um die Situation, deren Sie sich dankenswerterweise angenommen haben, zu verdeutlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

Mag.a Doris Koglbauer MSc.Klemens Maria Hofbauer Gymnasium
Eichbüchler Straße 97
2801 Katzelsdorf

 


 

ADVENT – ANKUNFT??

Adventfeier in der Schule. Der Vorplatz hell erleuchtet und geschmückt. Laternen, Fackeln, fröhliches Kinderlachen, der Geruch von Bratkartoffeln und Waffeln. Mittendrin: DU. Ein schmaler Junge, grau im Gesicht, stumm, vor zwei Tagen herausgerissen aus deinem gewohnten Umfeld, ohne Vorwarnung und Vorbereitung. Dein bisheriges Zuhause verloren, ein Zuhause, dass als fremduntergebrachter Junge ohnehin nur einen Hauch von Familienleben vermittelt im Vergleich zu anderen Kindern, aber immerhin: ein sicheres Zuhause. Du stehst stumm da, deine Lehrer:innen umsorgen dich in dem verzweifelten Versuch, dir Zuneigung zu schenken: „möchtest du eine Waffel mit Schokolade ,möchtest du Bratkartoffel,  mach dir deinen Anorak zu, es ist kalt“…

Wir drehen uns weg, damit du unsere Tränen nicht siehst…aber du hast keine Tränen…ich sehe es…du dissoziierst…Dissoziation, der Hauptmechanismus, um der erneuten Traumatisierung zu entkommen… alle Gefühle abspalten, deine Angst, deine Trauer, den erneuten Verlust….das ist deine einzige Chance, die Situation auszuhalten.

Kleiner Junge, wie viel Trauma hält deine Kinderseele aus?

Kleiner Junge, wirst du je wieder Sicherheit verspüren?

Kleiner Junge, wirst du dich je wieder  in tragfähige Beziehungen einlassen können?

Kleiner Junge, wie wirst du die Angst, die Ohnmacht aushalten?

Kleiner Junge, was können wir für dich tun?

WIR KÖNNEN LAUT WERDEN, SEHR SEHR LAUT!

 

„Mensch sein heißt, Verantwortung fühlen: sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat“ .

(Antoine de Saint Exupèry)

 

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